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Weimar. / Großherzogl. Hof-Theater. / Donnerstag den 2. Oktober 1873. / 13te Vorstellung im Jahres=Abonnement. / Kabale und Liebe. / Trauerspiel in fünf Aufzügen von Schiller.
Datum:
Donnerstag, 2. Okt. 1873
Datum (zeitliche Klassifikation):
1870-1875
Aufführungsort:
Weimar, Hoftheater
Reihenfolge:
1
Aktanzahl (laut Quelle):
5
Rezension:
Weimarische Zeitung, Nr. 233, 05.10.1873, S. 2: „Frl. Cermak heben wir, gegenüber ihrer ersten Rolle, dem Aschenbrödel, gerne in ihrer zweiten Darstellung als Luise in ‚Kabale und Liebe‘ hervor, wo ihr Talent unleugbar erst den eigentlichen Boden gewann. Was wir vorläufig über sie zu sagen haben, ist, daß man ein Wagstück unternimmt, wenn man sie als jugendlich tragische Liebhaberin an unserer Bühne engagirt. Es ist keine Kleinigkeit, diesen Reichthum an übertriebenem Pathos, falschen Betonungen und mangelhafter Aussprache, die zuweilen bis zur Undeutlichkeit geht, auszumerzen, und doch ist das Wagniß zu billigen, um der sichtbaren Begabung willen, welche die noch sehr jugendliche Anfängerin durch wohlklingendes Organ, Wärme des Ausdrucks und selbst natürliche Kraft der Leidenschaft bekundet. Wir sehen mit Interesse den weiteren Leistungen des Frl. Cermak entgegen, und auch das Publikum, welches sich anfangs gegen die hervortretenden Mängel sehr ablehnend verhielt, erwärmte sich allmählich an dem blitzartig hervorleuchtenden Talent und spendete Beifall. Herr Dalmonico hat für uns in der Rolle des Präsidenten am deutlichsten gezeigt, daß er ein künstlerischer Gewinn für unsere Bühne sein kann. Er war kräftig und doch maßvoll im Ausdruck, würdig in der Repräsentation, kurz ein wesentlicher Theil des gelungenen Ensembles, welches wir für das beste bisher Gebotene erachten. Herr Devrient faßte zwar den ‚Wurm‘ für uns mit zu viel katzenartiger Geschmeidigkeit auf, die uns für die starre Unerbittlichkeit seiner Schurkerei nicht imponirend genug erschien, immerhin ist es dankend anzuerkennen, daß er den Teufel nicht überteufeln wollte, denn an fratzenartiger Uebertreibung krankt unsere Schauspielkunst genugsam, um das Streben nach natürlicher Wahrheit und Wohlthat empfinden zu lassen. Abgesehen hiervon war auch die Leistung des Herrn Devrient mit trefflicher Konsequenz in der einmal entworfenen Auffassung festgehalten. Um die Anerkennung unserer einheimischen Künstler nicht als durchaus stillschweigend und selbstverständlich anzunehmen, wollen wir kurz erwähnen, wie Herr Lehmann den Hofmarschall von Kalb mit köstlicher Komik gab, die um so besser wirkt, weil sie fern von aller Uebertreibung bleibt, Herr Schmidt den Miller mit allen schon oft an ihm gerühmten Vorzügen in ergreifender Weise darstellte und ebenso Herr Cabus den Kammerdiener des Fürsten wie Frl. Siegl die Frau Miller in würdiger Weise zur Geltung brachte. Herrn Savits als Ferdinand zollen wir noch besondere Anerkennung; bis auf die gewaltigsten Momente der Rolle, wo die physischen Mittel wohl seinen Intentionen nicht mehr ganz gehorchten, ergriff er lebhaft durch die wohlthuende Wärme und Natürlichkeit seiner Darstellung, welche das Publikum auch sehr dankbar aufnahm. Gegenüber der künstlerischen Sorgfalt, welche Herr Savits solchen Aufgaben angedeihen läßt, will es uns ganz unerklärlich dünken, wie er z. B. aus der kleinen Rolle im ‚Aschenbrödel‘ eine Farce macht, die ihm den Beifall aus ganz andern Regionen holen muß. Frau Savits repräsentirte die Lady Milford ganz vorzüglich und bekundete außerdem ein eingehendes Studium der schwierigen Rolle, auch das Organ schien uns besonders glücklich von ihr beherrscht, so daß wir die gesammte Leistung als eine besonders achtungswerthe bezeichnen müssen.“